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Es werde … Friede

Erschienen in der Mittwochspalte des Schwäbischen Tagblatts für den 24.12.2025

Das möge Weihnachten richten, steckt die Botschaft doch bereits im Beinamen: „Fest des Friedens und der Versöhnung“! Doch an welcher Stelle genau beginnt er eigentlich – der Friede? Unsere Gesellschaft erlebt eine Zeit, in der Menschen mehr trennt, als dass sie gemein haben. Oft stehen sich Meinungen unversöhnlich gegenüber, sei es bei politischen Fragen oder im Alltag. Ob Verkehr oder Bauplanung, es wird hitzig debattiert, die Zulässigkeit eines Argumentes wird an der eigenen Befindlichkeit ausgerichtet oder es wird aneinander vorbeigeredet, um die eigene Position zu wahren. Politisch polarisierte Ansichten blockieren den Diskurs. Gesellschaftliche Konflikte werden kaum mehr durch die Kraft des Argumentes entschieden. So gären sie unbearbeitet vor sich hin bis sie sich an anderer Stelle gewaltvoll zu entladen drohen.

Weihnachten beginnt mit einem Geschenk. Das verletzlichste aller Wesen – das Neugeborene vereint an der Krippe Arme und Reiche, Junge und Alte, alle Hautfarben und Geschlechter. Gestärkt und mit den anderen in Gemeinschaft verbunden, tragen sie die gleiche Botschaft in die Welt: Versöhnung beginnt dort, wo wir einander wertschätzen, uns aufeinander einlassen und kommunikativ in Beziehung treten. Wenn wir schwere Themen offen ansprechen, uns schonungslos Konflikten stellen und dort, wo Beziehungen im Argen liegen, uns empathisch um Heilung bemühen, dann kann aus Versöhnung Friede wachsen. Anerkennung Andersdenkender und Artikulation von Dissens – darin liegt die Stärke einer freien Gesellschaft.

Angesichts der multiplen Krisen auf dieser Welt mag der ein oder andere verzagen. Doch wer sich im Verein, bei der Freiwilligen Feuerwehr oder in der Nachbarschaftsinitiative engagiert, weiß: in dem Moment, in dem man zu helfen beginnt, lässt die Ohnmacht nach; beim Anpacken für ein gemeinsames Ziel – so klein es auch sein mag – wird einem warm ums Herz. Wenig verbindet so sehr wie gemeinsames Engagement. Hier kann jeder und jede einen Beitrag leisten, über Generationen und Lebenswelten hinweg. Bei der Tübinger Tafel oder im örtlichen Tierschutzverein zeigt sich, was solidarisches Handeln an Mensch und Schöpfung konkret bedeutet. Mitmenschlichkeit und Verlässlichkeit stärken den Zusammenhalt und unser Gemeinwesen. Wer von Euch übernimmt Verantwortung, um unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung zu bewahren?


Für die FDP-Fraktion
Anne Kreim