Die Schwanzfeder des Adlers

„Nur die Schwanzfeder des Kaiseradlers“ war vor einigen Jahren der Titel einer Ausstellung über Vorderösterreich, welches bekanntlich von Innsbruck bzw. Wien aus regiert wurde und wo sich die Herrschenden nur sehr am Rande für ihre so weit entfernten Untertanen interessierten. Ein ähnliches Gefühl könnte man bei der Zuordnung der Gemeinden Hirrlingen und Starzach zum Landtagswahlkreis Balingen bekommen. Die grün-schwarze Landesregierung hat – trotz eines tapferen Protests des Kreistags und der jeweiligen Bürgermeister – mit einem Federstrich erneut am Wahlkreis Tübingen herumgeschnipfelt und so werden die betroffenen Bürgerinnen und Bürger ab 2021 von einer oder einem Balinger Wahlkreisabgeordneten „betreut“. Nicht nur, daß sich durch diese Abkoppelung des westlichen Landkreises die Mehrheiten in Tübingen vorhersehbar verschieben, nein, im Wahlkampf werden die Anliegen der Gemeinden am Eichenberg und am Neckar nicht sehr weit oben auf den Dringlichkeitslisten der Bewerber aus Zollern-Alb stehen. Und die Hoffnung auf eine grundlegende Neueinteilung der Wahlkreise im ganzen Land ist eher vage, wurde sie doch schon seit Jahren immer wieder auf die lange Bank geschoben – bis es dann aufgrund des vorgerückten Zeitpunkts zu spät war und nur wieder Flickschusterei übrig blieb.

Erfreulich hingegen war die Neukonstituierung der Regionalverbandsversammlung Neckar-Alb, die Mitte Oktober im fast schon glamurösen Rahmen der Reutlinger Stadthalle stattfand. Mein Nachfolger als Fraktionsvorsitzender der FDP, Professor Willi Weiblen, leitete souverän die Versammlung als Alterspräsident, prädestiniert durch jahrzehntelange Erfahrung als Gemeinde- und –kreisrat sowie seine berufliche Tätigkeit als Ministerialdirigent a. D. im Wirtschaftsministerium. Der bewährte Vorsitzende Eugen Höschele wurde dann auch mit fast 90%iger Zustimmung wiedergewählt, so daß in diesem quasi Regionalparlament (nicht alle Mitglieder sind gewählt, sondern manche von ihren Parteien delegiert) eine Kontinuität der guten Arbeit und des Stils gewährleistet ist. Dies ist umso wichtiger, da neben der Fortschreibung des Regionalplans auch die neue Regionalstadtbahn ein Herzstück der Aufgaben des Verbands und seiner Versammlung darstellt, in der jetzt fünf statt bisher vier Fraktionsmitglieder der FDP Sitz und Stimme haben.